Ladenschluss: Pro und Kontra

Das Bundesverfassungsgericht hat ja soeben entschieden, dass das sehr liberale Gesetz in Berlin, welches dem Einzelhandel erlaubte an 10 Sonntagen im Jahr zu öffnen zu liberal ist. Adventssonntage sind wohl anscheinend schützenswerter als andere.

Im Twitter hat sich danach einiger Diskussionsbedarf bei mir ergeben, weshalb ich dazu jetzt mal einen Blogartikel über die Pros und Kons des Ladenschlussgesetzes machen will.

Ich übernehme die Kons und ihr danach in den Kommentaren die Pros, okay?

Warum ich vollkommen gegen ein Ladenschlussgesetz bin

Ich habe ein Problem mit Bevormundung! Ich bin ein mündiger Bürger und ich glaube auch dass ich einer Gesellschaft lebe in denen die Leute für sich Entscheidungen treffen können. Wenn jemand ein Problem hat Sonntags zu arbeiten, dann zwingt ihn auch niemand dazu! Wenn man ein Problem mit Sonntagsarbeit im Einzelhandel hat, dann sollte man da nicht arbeiten. Dann fallen übrigens auch so ziemlich fast alle anderen Berufe weg. Im Krankenhaus, bei der Polizei, bei Tankstellen, in den Medien, im Internet, auf dem Weihnachtsmarkt, usw, usw.

Warum wird gerade der Einzelhandel so angegangen und mit verboten überhäuft? Hat der was verbrochen? Das ist doch ein absolut unfairer Wettbewebsnachteil. Das sowas in der EU heutzutage noch möglich ist ist mir ein Rätsel. Die direkte Konkurrenz des Einzelhandels, sei es im Ausland oder im Internet darf arbeiten.

Die Menschen wissen gerade an Adventssonntagen nicht was sie machen sollen uns strömen auf die Weihnachtsmärkte. Oh! Ja! Ein Weihnachtsmarktverkäufter darf arbeiten. Bei dem ist das ja okay! Klar! Wie logisch! Und nebenan geht Karstadt noch weiter Pleite!

Und die Regelung an sich ist schon total paradox oder? An 3-4 Sonntagen im Jahr darf der Einzelhandel auf machen! (Verkaufsoffener Sonntag). Also was ist denn nun? Ist ein Sonntag ein sooo viel besserer Tag, dass man aufmachen darf oder nicht?

Dem Einzelhandel geht dadurch, dass an Adventssonntagen nicht geöffnet werden darf sicherlich ein 3stelliger Millionenbetrag durch die Lappen. Die Menschen geben ihr Geld aber natürlich trotzdem aus. Nämlich überall da, wo es ihnen nicht verboten ist am Sonntag Geld auszugeben. Im Kino,  …. Das ist natürlich viel viel besser! Logisch, oder?

Am Ende können wir froh sein, dass evangelische und Katholische Kirche beide gerade den Sonntag für so heilig halten. Stellt euch mal vor einer von beiden würde Sonntage und der andere Donnerstage für (be)schützenswert halten ;-)

So nun warte ich auf eure PRO - Ladenschluss Argumente.


19 Comment(s)

  1. Falsch. Der Arbeitgeber hat sehr gute Argumente den Arbeitnehmer zum Arbeiten zu bewegen. Auch wenn dieser nicht will. Klar hast der Arbeitnehmer dann immer noch die Wahl ob er arbeiten gehen will oder nicht. Nur müsste die Wahl dann korrekterweise lauten: Ich habe einen Arbeitsplatz. Oder: Ich bin arbeitslos.

    | René Fischer | Dec 1, 2009 | Reply

  2. Jeder kann sich seinen Arbeitgeber frei auswählen. Und ich weiß vorher, ob bei dem Sonntags gearbeitet wird oder nicht.

    Wenn ich arbeitslos bin, könnte die Ursache aber viel eher diejenige sein, dass zu wenig arbeit da ist, weil der Staat seinen Unternehmen verbietet an bestimmten Zeiten Arbeit anbieten zu dürfen!

    Wer sich über zu viele Arbeitslose aufregt, der müsste konsequenter Weise auch ein Ladenschluss Gegner sein.

    | geby | Dec 1, 2009 | Reply

  3. Ziemlich arrogant deine Sichtweise, findest du nicht? Gerade im Menschen mit geringen Bildungsniveau (Niedriglohnsektor) können sich eben nicht immer ihren Arbeitgeber aussuchen. Die Alternative wäre für viele Arbeitslosigkeit.

    | René Fischer | Dec 1, 2009 | Reply

  4. Ich gebe meinem Vorredner recht. Viele können sich den Arbeitgeber eben nicht aussuchen. Es heißt meistens nimm diesen Platz oder eben Keinen. Außerdem bezweifle ich, dass der Einzelhandel wirklich so viel gewinnen würde. Restaurants, Kinos oder solche Einrichtungen wie Weihnachtsmärkte machen ihren Hauptumsatz am Wochenende, da die Meisten Arbeitnehmer unter der Woche einfach keine Zeit für solche Unternehmungen haben. Beim Einzelhandel sieht das ein bisschen anders aus. Nur weil Sonntag ist kaufe ich nicht mehr Mehl, Milch oder Eier. Ich benötige auch nicht mehr Kleider, Elektronik, Töpfe usw.. Selbst das Weihnachtsgeschäft wird dadurch nicht angekurbelt. Von offenen Sonntagen bekomme ich ja nicht mehr Leute die ich beschenke.
    Und eine Anmerkung zum Schluss: Grundgesetz Artikel 139

    Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

    Ich könnte noch mehr schreiben, also muss ich wohl einen Blogartikel daraus machen.

    | Lioman | Dec 1, 2009 | Reply

  5. @Lioman:

    Dann verrate mir mal bitte, warum man sich diesen Artikel des Grundgesetzes immer so dreht wie man ihn gerade braucht?

    Warum dürfen Taxis fahren? Warum dürfen Kinos aufmachen, Videotheken aber nicht?

    So einen Artikel KANN man gar nicht einhalten! Warum soll es dann der arme Einzelhandel tuen? Und damit meine ich nicht nur Edeka und Lidl.

    | geby | Dec 1, 2009 | Reply

  6. Nur Kurz dazu: Trotz Schutz von Feiertagen und Sonntagen kann ja nicht das komplette Leben stehen bleiben. Es gibt alle möglichen Gründe um am Sonntag mit dem Taxi zu fahren. Und seelische Erhebung kann ja unterschiedlich gestaltet werden. Ein Kino, Theater o.ä. sollte also geöffnet werden, damit z. B. ein Familienvater Zeit hat mit seinen Kinder in den neusten Kinostreifen zu gehen.
    Und nochmal die Frage: Verdient der Einzelhandel wirklich mehr oder nur verteilter.
    Ich schreibe gerade einen Blogartikel als Antwort auf deinen. Hoffe ich beende ihn bald

    | Lioman | Dec 1, 2009 | Reply

  7. Verdient der Einzelhandel definitiv mehr?

    Definitiv JA!

    Sonst würde Sie ja nicht aufmachen, wenn Sie dürfen. Das wär doch dann rausgeschmissenes Geld.

    Auch Real oder Kaufland machen jetzt teilweise bis 24 Uhr auf. Und das sicher nicht weil Cheffe das so cool findet, sondern weil die Mehreinnahmen in der Zeit die Mehrausgaben übersteigen.

    Wenn ich jetzt z.B am Sonntag in die Stadt gehe zum Weihnachtsmarkt. Da denk ich mir … auch guckste mal ob du Geschenke findet. Dann steh ich plötzlich in nem Spielwaren Geschäft (Karstadt oder sonst wo) und kauf nen Spiel für meine Kleine Schwester.

    Hätten die jetzt nicht aufgehabt, hätte ich mein Geld eventuell schon in eine Puppe vom Weihnachtsmarkt investiert.

    Dann hab ich noch im Kopf: Ach ja, meinem Opa wollte ich ja dieses eine Buck kaufen. Schwupps rein in die Buchhandlung das Buch gekauft.

    Hätten Sie an dem Tag nicht offen würd’ ich das Buch halt Abends bei Amazon bestellen.

    Da geht es definitiv um hunderte Millionen (Rechnung bei 4 Adventssonntagen Bundesweit, auch wenn’s nicht überall offen ist)

    Dann noch die Tatsache. Geht die Familie anfang Dezember schon viel Weihnachtskram kaufen, kann Sie hinterher nicht mehr so viel Geld für Kino ausgeben. ;-)

    | geby | Dec 1, 2009 | Reply

  8. So nun habe ich meinen Artikel fertig:
    Pros unter
    http://www.lioman.de/ladenschluss-pro-und-kontra

    freue mich ebenfalls über Kommentare

    | Lioman | Dec 1, 2009 | Reply

  9. Ich habe ehrlich gesagt nicht den ganzen Artikel gelesen, weil “Ich habe ein Problem mit Bevormundung!” als Aussage völlig ausreicht.

    Es wird eh schon in fast allen Bereichen Sonntags gearbeitet (in Berlin gibt es auch Sonntags Feierabendverkehr!) Warum sollten Ladenbesitzer nicht auch frei entscheiden können, ob sie aufmachen oder nicht. Man sieht doch schon an der Möglichkeit für Supermärkte 24h offen zu haben, dass das kaum genutzt wird.

    Ich habe übrigens im Call-Center immer gerne Sonntags gearbeitet. 1. gab es satte Zuschläge und 2. ist es supertoll an Wochentagen frei zu haben. Zugegeben, ich habe keine Kinder, aber es gibt ja genug Kinderlose Arbeitnehmer ;) und bei uns im Call-Center gab es auch Leute, die eben nie Sonntags da waren, weil sich genug freiwilige gefunden haben, die dann gerne kommen.

    Wenn niemand Sonntagsöffnungszeiten wünscht, dann werden die Geschäfte auch ratzfatz wieder Sonntags zu sein. Gerade vor Weihnachten die 4 Sonntage sollten aber offen sein, es gibt sicher auch viele Einzelhändler, die sich auf diese Tage freuen und dann ordentlich Umsatz machen.

    | Gilly | Dec 2, 2009 | Reply

  10. Kommentarabo vergessen

    | Gilly | Dec 2, 2009 | Reply

  11. Bin zufällig hierher gestolpert. muß mal senf dazugeben.

    Die Menge an Geld, dass Mensch so ausgeben kann ist begrenzt. Nur weil Läden länger aufhaben, kann gar nicht mehr Geld ausgegeben werden. Es wird höchstens in anderen Läden ausgegeben.
    L
    Ist dann eine spannende Rechnung, ob ein Laden, der Sonntags öffnet, soviel mehr Kaufkraft von anderen Läden abziehen kann, dass er kostenneutral aus der Kiste rauskommt. Wenn nicht, wird er abwägen, ob er den Sonntag zu lässt – oder die Mehrkosten für die Sonntagsöffnung auf die Preise umlegen – die dann alle Kunden bezahlen.

    Der “normale” kleine Einzelhandel schaut dabei eh in die Röhre: Cheffe steht sonntags im Laden (wie den Rest der Woche eh schon) – Zustände, die man in der Gastronomie bei Familienbetrieben ja schon hat. Die aber dafür meistens einen andern Tag in der Woche schließen.

    Es profitieren die großen Handelsketten.

    Nächstes Mal also nicht über die Uniformität unserer Innenstädte beschweren.

    Ich kenn es aus dem Ausland auch anders: pro Kleinstadt sind ein bis zwei Supermärkte auch Sonntags offen. Manchmal praktisch. Andererseits: Ich kann meinen Kram, den ich sonntags nicht im Kühlschrank habe, auch an der Tanke kaufen. Oder es kann bis Montag warten.

    | dehkah | Dec 7, 2009 | Reply

  12. Fakt ist aber dennoch, das jeder selbst darüber entscheiden können sollte, ob er nun Sonntags aufmacht oder nicht.

    Bei Bäckern ist es doch nicht anders, manche machen auf, andere nicht.

    | Gilly | Dec 7, 2009 | Reply

  13. Die Freiheit als Freibrief in einer Argumentation vorzuschieben halte ich dennoch falsch. 1. bin ich der Meinung dehkah. Wird Sonntags in Berlin geöffnet ziehen die Berliner Läden das Geld durch Touristen aus anderen Städten ab. Und bei kleinen Läden stimmt es, dass der Chef nur im Laden steht und das dann vermutlich freiwillig. Gibt es jedoch mehrere Angestellte oder sogar viele (bei großen Kaufhäusern) sieht es mit der Freiwilligkeit ganz anders aus.

    | Lioman | Dec 9, 2009 | Reply

  14. Die Argumentation verstehe ich nicht. Es gibt Berufsgruppen, da gehört Sonntagsarbeit dazu!

    Callcenter, Bäcker, Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten Kiosk Mitarbeiter, Fremdenführer etc.

    Warum dann nicht auch verkäufer? Wie gesagt ich habe selbst im Call-Center Sonntags gearbeitet.

    | Gilly | Dec 9, 2009 | Reply

  15. Ja Gilly, das ist doch ganz einfach zu verstehen oder?

    Wenn Angestellte Verkäufter Sonntags arbeiten, dann bestünde die Möglichkeit, dass Sie dazu gezwungen wurden.

    Das ist bei Callcentern, Bäckern, Krankenhäusern, Polizisten, Kiosken, Tankstellen, Kneipen, Restaurants, Kinos einfach nicht möglich ;-)

    Da arbeiten ja nur hochqualifizierte, hochbezahlte Leute, hochselbstbewusste Leute, die sowas nicht mit sich machen lassen würden.

    Logisch, oder?

    | geby | Dec 9, 2009 | Reply

  16. :P

    | Gilly | Dec 9, 2009 | Reply

  17. wenn man bedienstete aus dem einzelhandel kennt und weiss, wie hart die für wenig geld zum teil ran müssen, dann habe ich für diese aktion durchaus verständnis. zumal wegen ein paar sonntagen im jahr wohl nicht extra personal dafür eingestellt wird.

    nichtsdestotrotz finde ich die sache sehr ärgerlich, da die kirchen dahinterstehen. die nehmen sich es m. e. nämlich heraus, für die ganze gesellschaft zu sprechen. und nur weil die ihre schuppen am sonntag nicht mehr voll bekommen, sollen alle auf die einkaufsmöglichkeiten verzichten?

    nur frage ich mich, warum dann die pfarrer an den ach so schützenswerten adventssonntagen arbeiten müssen …

    | frau-doktor | Dec 12, 2009 | Reply

  18. 1. Pfarrer arbeiten sonntags nicht. Die bekommen auch gar kein Geld für’s arbeiten. Die Gemeinde/Kirche bezahlt sie, damit sie eben keiner Arbeit nachgehen müssen, sondern sich ganz um ihre Gemeinde kümmern können. Klingt schräg, ist aber so gemeint. ;)

    2. Ich arbeite auch sonntags und an Feiertagen. Relativ häufig sogar, kann mir das aber oft selbst einteilen. Wünschen möchte ich das aber niemanden, erst recht nicht als Ganztagsjob.

    3. Wer dafür ist, dass sonntags die Läden aufhaben, sollte doch auch nichts dagegen haben, samstags und sonntags in die Uni oder die Schule gehen zu dürfen. Oder?

    Es geht um die Prinzipfrage, ob das Wochenende, insbesondere der Sonntag, noch seinen ‘besonderen’ Charakter behält, an dem man normalerweise keiner Erwerbstätigkeit nachgeht.

    | dehkah | Dec 18, 2009 | Reply

  19. @dehkah:

    zu 1. Okay, wenns hilft, dann kann der Einzelhandel das meinetwegen auch nicht Arbeit sondern sonst wie nennen. Dann bekommen die halt auch pauschal Geld fürs arbeiten ;-) Am Namen soll es ja nicht scheitern.

    zu 3. Gleiche Rechte und Pflichen für alle. Klar hätte ich nichts gegen Uni oder Schule Samstags oder Sonntags. Solange nicht an den SWS gedreht wird ist das okay. Außerdem müssen heute schon viele Studenten und Schüler an Samstagen und Sonntagen für die Schule oder Uni “arbeiten/lernen”.

    Aber das ist alles Ansichtssache und subjektiv, das akzeptiere ich, dass andere das anders sehen als ich.

    | geby | Dec 18, 2009 | Reply

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  1. Dec 21, 2009: from Liomans Blog » Ladenschluss: Pro und Kontra «Liomans Blog

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