Wird die Präsidentenfrage eine Rassismusfrage?
Am Dienstag sind mal wieder Wahlen in der ältesten Demokratie der Welt.
Barack Obama liegt ja bekannter Weise in den Umfragen meilenweit vor John McCain und die Frage die sich alle Welt stellt ist eigentlich nur, wie vernichtend die Niederlage für die Republikaner wird. Sowohl bei der Wahl des Präsidenten als auch bei der des Kongress, wenn ich das richtig verstanden habe.
Doch ist der Sieg von Obama schon unter Dach und Fach? McCain vollkommen chancenlos?
Ich glaube nicht!
Ich glaube, dass die Wahl (Dienstag Nacht) äußerst knapp werden wird. Und welcher der beiden Kandidaten siegreich hervorgehen wird ist für mich ebenso offen.
In den USA ist das mit den Wahlen und den Prognosen im vorhinein nämlich immer so eine Sache.
Das Wählen in den USA ist aus vielerlei Hinsicht anders als wir es kennen.

Nun mal eine kleine Aufzählung der Gründe, warum ich glaube, dass die Wahl nicht so klar werden wird, wie es die Umfragen derzeit sagen.
1. Das Wählen in den Staaten ist teilweise sehr umständlich. Der Weg zum Wahllokal ist unter Umständen ettliche Kilometer entfernt. Man muss sich vorher registrieren lassen etc.
Nun stellen sie sich vor, dass Sie eigentlich gar nicht politisch interessiert sind, aber auf Grund des ganzen Medienhypes Obamafan geworden sind. Nun ist der Wahltag in den USA ein Wochentag, es regnet vielleicht und sie müssen 20km mit dem Bus zum Wahllokal. Ich denke viele Obama Wähler könnten dann dazu neigen zu sagen: “Ach der hat eh 10% Vorsprung, der schaffts auch ohne mich”
2. Das Wahlsystem in den USA ist teilweise so, dass es theoretisch möglich ist zu gewinnen, wenn man weniger als 50% der absoluten Stimmen bekommt. Stellt euch vor Obama gewinnt 20 Bundesstaaten klar, verliert 30 Staaten aber ganz knapp. Dann hat er eventuell immer noch absolut 10% mehr Stimmen als McCain bekommen, aber trotzdem verloren.
3. Die Umfragen zeigen, dass die Demokraten im Kongress (der gleichzeitig gewählt wird) eine gewaltige Mehrheit erhalten werden. Die Erfahrung zeigt jedoch auch, dass die US Wähler immer intuitiv versuchen zu vermeiden, dass diejenige Partei, die den Präsidenten stellt eine Mehrheit im Kongress hat. Das liegt daran, dass der Präsident und der Kongress sich gegenseitig kontrollieren. Der Kongress verabschiedet die Gesetze, jedoch treten sie nur in Kraft, wenn der Präsident kein Veto einlegt. Das ist der Grund, wesshalb ein so mächtiges Amt, wie das des US-Präsidenten, nicht der eines Diktators in einer Diktatur gleicht. Dieser Tatsache ist ein Plus für MC Cain.
Demokratische Wähler, die Obama nicht wählen wollen (wegen der Hautfarbe, oder aus Rache über den Sieg gegen Hillary Clinton), wählen eventuell McCain, weil sie denken, dass ein demokratischer Kongress ihn zu demokratischer, oder zumindest gemäßigter Politik zwingen wird.
4. Ich bin mir nicht sicher, ob die USA die Rassismusfrage schon ausreichend gelöst haben. Öffentlich würden viele viele Wähler nicht zugeben, dass die doch keinen schwarzen Präsidenten haben wollen. Ich vermute, dass viele US-Wähler von Obama wesentlich überzeugter sind als von McCain, sich jedoch nicht mit der Tatsache anfreunden können einen schwarzen Präsidenten zu haben. Auch wenn Sie das öffentlich NIE zugeben würden, um nicht als Rassist zu gelten. Wenn jetzt also ein Unternehmen anruft, welches die Umfragen erstellt, würden sie zu Obama halten. Was dann nun aber letztendlich in der Wahlkabiene passieren wird, wenn Sie tatsächlich ihr Kreuz beim farbigen Obama machen wollen, wird spannend werden.
Würden am Dienstag nur die Parteien, oder die Inhalte der Personen zur Wahl stehen, wäre in meinen Augen schon alles klar.
Würde McCain diese Wahl also doch noch gewinnen, dann höchstwarscheinlich nur, weil Obama schwarz ist.
Es wird spannend!




